Reisetagebuch Irland

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Tag 5

Der letzte Tag ist angebrochen. Ein wenig keimt schon Wehmut auf. Aber das kann ich heute nicht brauchen. Schließlich will ja jede der verbleibenden Minuten genutzt werden. Also auf in die Stadt und noch die letzten Sehenswürdigkeiten abarbeiten.

Den Anfang machen wir mit einem original Irish Breakfast, frei wählbar in 3 Größen von normal bis Wochenration. Dazu gehört zum Beispiel Toast, Ei (gerührt oder gespiegelt), Würstchen, Bacon, Black and White Pudding, ne frische Grilltomate, etc… Das klingt nicht nur viel und mächtig, es ist es auch. Aber dafür lecker und hält auch fast bis zum Abend vor. Nur der Black Pudding hat mich irritiert. Nicht nur, dass es kein Pudding war, es handelte sich dabei doch tatsächlich um eine Art Blutwurst, die  geschmacklich an Weihnachten, an Lebkuchen erinnert. Das muss ich zwar nicht unbedingt nochmal haben, aber den Versuch war’s wert.

Frisch gestärkt und auch ein wenig gelähmt von der morgendlichen Fressorgie führte mich meine Begleitung direkt ins Pub. Nicht zum trinken. Was denkt ihr nur von mir? Es ist doch gerade erst Mittag. Dort wartete eine exklusive Brauereiführung durch die im Hinterhof gelegene hauseigene Mini-Brauanlage. Süße kleine Kessel, extrem hohe Luftfeuchtigkeit, der Duft von Hopfen in der Luft und ein Braumeister in Jogginghose, der während der gesamten Führung einen Gesichtsausdruck und ein Leuchten in den Augen hatte, wie man ihn sonst nur von Kindern kurz nach der weihnachtlichen Bescherung kennt. Begeisterung, Faszination und die Vorliebe für das Endprodukt. Ich bezweifle, dass mir das in der Guinness-Brauerei in Dublin begegnet wäre.

Was mach ich eigentlich mit meinen Postkarten? Ich habe sie zwar schon am zweiten Tag gekauft, aber irgendwie liegen sie immer noch in der Tüte und warten darauf, beschriftet zu werden. Da uns bis zum Abend noch Zeit bleibt, treten wir nach einem Probebier den Heimweg an und ich setze mich angenehm beschwingt an die Arbeit und schreibe drauf los. Nach der 2ten Karte habe ich zwar schon keine Lust mehr und würde lieber wieder etwas anderes tun, aber ich habe keine Wahl und halte bis zum Ende durch. Dann hab ich’s wenigstens endlich hinter mir. Geht es nur mir so, oder hat jeder das Problem, dass Postkartentexte generell doof klingen?

Nachdem die lästigen Pflichten erledigt und die Tasche schon für morgen gepackt ist, geht es erneut in die Stadt. Diesmal zum Captain America, welches an das Hard Rock Cafe erinnert und mit allerlei Erinnerungsstücken Prominenter Personen dekoriert ist.  Hier gibt’s heute wahlweise Steaks oder Burger. Mit von der Partie sind die Damen aus dem Pub und vom Frühstück (langsam könnte man sich an die eine oder andere gewöhnen). Allesamt genehmigen wir uns ein ausgiebiges Mahl und ziehen im Anschluss – das find ich ganz besonders dufte – wieder in das Pub mit eigener Brauerei. Endlich habe ich Gelegenheit dazu, alle 5 Sorten des Hauses zu probieren und bin fast noch mehr begeistert als am Vormittag. Habe ich eigentlich schon erwähnt, dass das Wetter seit meiner Ankunft bombastisch gut ist? Deswegen können wir auch im Biergarten unter freiem Himmel sitzen. Die Stimmung ist ausgelassen und das Etablissement füllt sich beständig. Die Heimfahrt und das frühe Aufstehen um ca. 4:30 Uhr habe ich erfolgreich verdrängt und genieße einfach die letzten Momente, bin sogar froh, sie in dieser Gesellschaft zu verbringen. Das wird definitiv ein schwerer Abschied.

Hochachtungsvoll,

Karl P.

gepostet von Karl Prall am 16. Juni 2010 um 13:04

veröffentlicht in Proletenprosa

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