Tag 4
Morgähn! Das war vielleicht ne Nacht. Der Morgen strahlt und heizt beständig durchs panoramaformatige Küchenfenster mit Blick auf Bahnhof und Güterhafen. Es ist Sonntag und hat gerade 8 Uhr geschlagen. Nach dem üblichen Frühstück mit Kaffeeersatz und Toast geht’s dann wieder frisch gestärkt, aber dennoch reichlich gebeutelt von den vorangegangenen Stunden der Nacht, ab gen Bahnhof. Denn dort sollte der Mietwagen auf uns warten, den wir gestern noch über das Internet reserviert hatten. Dummerweise hatten wir noch keine Bestätigungsmail erhalten. Diese sollte man ausdrucken und vorlegen – nachdem man sie binnen 48h nach der Anfrage erhalten sollte. Doof nur, dass wir gerade einmal 12h haben verfliegen lassen. So standen wir am Schalter der Autovermietung und hatten keine Buchungsnummer etc. Aber wie man das so aufm Flughafen erwarten würde, gibt’s dort PCs mit Drucker. Für schlappe 3€ also nochmal fix ins Postfach eingeloggt und überrascht festgestellt, dass die Mail nun plötzlich doch da war! Herrlich. Ausgedruckt, bezahlt, eingesackt. Eine Viertelstunde später standen wir dann auf dem Parkplatz vor „unserem“ kleinen Silberpfeil. Oder doch eher ein Punkt. Immerhin schaut ein Nissan Micra nicht wirklich nach einem zuckenden Pfeil aus.
Wer der Erzählung aufmerksam folgt und clever kombiniert, wird schon vermuten was jetzt kommt: ROAD TRIP!!! Insgesamt lagen gut 450km Irland hautnah vor uns.
2 Pioniere, eine Kutsche und eine Karte gegen eine Insel voller Falschfahrer. Was für eine Gaudi! Zugegeben, die Eingewöhnungsphase war etwas länger als erwartet, aber die zerkratzen Radkappen auf der ungewohnten Seite des Autos wurden glücklicherweise von der Standard-Versicherung abgedeckt…
Leider lässt sich dieser Tag nur sehr grob umreißen. Würde ich sämtliche Eindrücke und Erlebnisse auch nur ansatzweise vollständig einbringen, wäre dieser Tag länger als alle anderen zusammen. Deshalb beschränke ich mich auf eine kleine enumerative Best-of-Liste. Cork, Landstraßenweg nach Kilkenny gefunden, Schloss, Kathedralen, Smithwick’s, Stadtbummel, weitere Landstraßen, Dörfchen, Umleitungen, wunderschöne Landschaften (noch schöner als so manche offiziellen Irland-Motive) und überall hilfsbereite und unheimlich freundliche Leute. Abstecher auf Autobahn (Ja, ich habe für nen Pkw Maut gezahlt.), Waterford, Strandbesuch, Strandspaziergang, Stau auf Landstraße, Unfall gesehen, an Youghal vorbei gekommen (beliebter Badeort), einmal volltanken und zum Sundown dann den Micra wieder am Flughafen abgegeben.
Auf dem Weg vom Flughafen zum Wohnheim stoppten wir nur noch beim Supermarkt um unsere gebeutelten Energiereserven wieder aufzufüllen. Ne Tiefkühlpizza, ein Sixpack Corona und ein Tütchen Skittles. So lässt sich’s leben und der Tag klingt entspannt bei „Surrogates“ aufm Sofa aus. Morgen steht der letzte Tag an. Ein wenig keimt schon Wehmut auf, denn Übermorgen beginnt dann wieder in aller Herrgottsfrüh. Ich plane wie damals auf Klassenfahrt (die letzte Nacht wird durchgemacht, unterwegs kann ich ja genug Schlaf nachholen) und lass mich ins Land der Träume treiben…
Hochachtungsvoll,
Karl P.


