Tag 3
Guten Morgen! Diesmal wirklich! Nach dieser Nacht ohne Eisenbahnbrücke und unbekannte Zimmergenossen fühle ich mich doch tatsächlich erholt. Da ist auch die lange Zugfahrt vom Vorabend und die ausgesprochen leistungsfähige (also unangenehm kalte) Klimaanlage im Zug selbst schon fast vergessen. Also schnell gefrühstückt und die gröbsten Spuren der Nacht weggeduscht und schon kann es los gehen.
Wieder bestätigt sich die Beobachtung, dass der Durchschnittsire gern außer Haus isst. Selbst im vergleichsweise kleinen Cork gibt es nicht nur eine nicht enden wollende Fülle an kleinen Restaurants, Cafés, Bars und Straßenverkäufen. So wundert es auch nicht wirklich, dass Variationen und Kreationen geboten werden, die ich mir zuvor kaum in meinem wildesten Fresswahn vorstellen konnte. Mein persönlicher Favorit: Milchshakes mit Süßigkeiten-Geschmack. Man nehme einen Milchshake, ne Kugel Eis und dann nach Belieben den „Geschmack“ der Träume. Dafür gibt es eine Auswahl, die jedes Tankstellensüßwarenregal vor Neid erblassen ließe, sofern es denn möglich wäre. So kann man sich neben seinem Lieblingsschokoriegel auch Gummibärchen oder Skittles oder, oder, oder… frisch in seinen Shake pürieren lassen. Ein wahrer Genuss! Jetzt warte ich nur noch darauf, dass so ein Laden auch in meiner Nähe eröffnet…
Das Rekordwetter hält weiterhin an. Die Sonne prasselt nur so auf die Erde herab und die Temperaturen deutlich oberhalb der 25°-Marke tun ihr übriges. Also wurde unser Kaffeekränzchen spontan in den Stadtpark verlegt. Dort trafen wir uns mit 3 deutschen Studentinnen, alle in den letzten Tagen ihres Irlandaufenthalts. Abgesehen davon, dass die Damen sehr sympathisch waren und das Kaffeekränzchen daher äußerst kurzweilig daher kam, war es ein wahrer Genuss das Wetter vom satten grünen Rasen aus zu erleben und nebenbei die Umgebung zu beobachten. Nur das mit dem Sonnenbrand kam am Ende nicht wirklich gut…
Den Nachmittag verbrachten wir dann mit den Vorbereitungen unseres Abendmahls und dem anschließenden Verzehr. Schließlich benötigt man doch eine solide Grundlage, wenn man sich für den Abend zum „Public Viewing“ im Pub verabredet. Die Wanderung dorthin war dann nicht nur unerwartet weit, sondern auch irgendwie seltsam. Die Häuser wurden mit jeder Straßenkreuzung kleiner und schäbiger, die Straßen enger und holpriger. Das Pub selbst thronte am Ende jedoch wie ein Tempel inmitten der Kleinstadtidylle am Straßenrand. Das Spiel – Bayern gegen Inter Mailand – verlief zwar nicht zur Zufriedenheit der deutschen Zuschauer, dafür war die Euphorie der Italiener ungebrochen und das Pub brechend voll. Hat sich eigentlich schon mal jemand gefragt, ob „Pub-lic Viewing“ in einem Pub erfunden wurde? Diese und ähnliche Fragen gingen mir jedenfalls nach dem 3. oder 4. Pint durch den Kopf… und wo man in dieser Einöde um diese Zeit noch etwas zu essen bekommt. Letztere wurde ziemlich schnell beantwortet und auf die Probe gestellt. Fish and Chips! Reichlich fettig, reichlich viel. Vor dem Trinken wäre das wohl besser gewesen, also teile ich meine „Portion“ doch lieber mit meiner Begleitung. Am Ende wurden 3 bis 4 Personen davon satt, wie ich meine. Ich bin froh es probiert zu haben, werde aber bei meiner nächsten nächtlichen Futtertour aber doch wieder den altbewährten Döner wählen. Nix für ungut.
Jetzt, wo der Fisch und die fettigen Chips in meinem Bauch im guten irischen Stout schwimmen, freue ich mich plötzlich auch wieder auf den ziemlich langen Heimweg. Der tut jetzt echt gut und ich glaub, ich werd schlafen wie ein Baby… mit ganz viel Bier und fettigem Essen im Magen.
Hochachtungsvoll,
Karl P.


