Tag 1
4:45 Uhr – Der Wecker klingelt. Jetzt hab ich noch ne Dreiviertelstunde, dann sollte ich im Auto sitzen. Im Auto nach Leipzig wohlgemerkt, wo ich dann so gegen halb 7 schon erwartet werde. Der Tag beginnt – wie erwartet – mit leichten Startproblemen. Aus dem Bett bin ich schon mal recht gut heraus gekommen, doch dann war irgendwie der Wurm drin. Als ich aus der Dusche stieg, war schon soviel Zeit verstrichen, dass ich meine Frühstückspläne spontan über den Haufen warf und nur noch die – zum Glück bereits fertig gepackten – Taschen greifen und aus der Tür stürzen musste. Der Weg zum Flughafen gestaltete sich trotz Regen und Sichtweiten unter 100m gezwungenermaßen recht zügig, sodass aus der anfänglich 30minütigen Verspätung eine nur noch minimal verspätete Ankunft in Leipzig wurde.
Glücklicherweise hatte ich bereits am Vorabend schon den Check-In online erledigt. Man könnte munkeln, ich hätte es geahnt, oder es einfach eine glückliche Wendung, einen Zufall nennen. Jedenfalls lief ab hier alles glatt. Rein ins Flugzeug, hoch in die Luft, wieder runter (heile natürlich) und nach dem Umsteigen dasselbe Spiel noch mal von vor. So hatte ich an meinem ersten Urlaubstag auch gleich die ersten 2 Linienflüge meines Lebens erlebt. Abgesehen vom Jammern eines bereits gealterten Mitpassagiers, lief auch alles wunderbar flauschig und reibungslos. Deswegen bekommt Germanwings an dieser Stelle auch noch einmal ein dickes Lob für den tollen Service und die weiche Landung. Dufte Leutz, macht weiter so!
Angekommen in Dublin folgte ich nun den Instruktionen meiner geschätzten Gastgeberin. Die Gute war nämlich so vorausschauend, mir den Weg zum Treffpunkt derart haarklein zu schildern, dass ich trotz totaler Reizüberflutung und überwältigt von all den neuen Einflüssen und –drücken zielstrebig zum Bus stolzieren, einsteigen und nach kurzer Fahrt mit latenten Zweifeln an der korrekten Fahrtroute in Verbindung mit dem Gedanken „Wenn was schief geht, haste nich ma ne Telefonnummer…“, endlich zufrieden und erleichtert in ihre Arme stürzen konnte.
Endlich am richtigen Zielort angekommen, wurde sofort das Hostel gestürmt. Direkt am Busbahnhof und noch direkter unter einer Eisenbahntrasse, versprach es nicht nur die zentralste Lage in dieser Preiskategorie, sondern wurde ohne Umschweife zum reinen Schlafplatz bestimmt. Für mehr war’s auch echt nicht gut. Umso besser, denkt sich der gemeine Backpacker, und macht sich auf die Socken, die fremde Stadt zu erkunden. Im Nachhinein kommt es mir der Weg zum ersten Bier erstaunlich lang vor, jedoch ist das wohl relativ zu werten und meiner weiblichen Führerin, dem genialen Wetter und der faszinierenden Stadt Dublin mit ihren unzähligen Möglichkeiten, vom rechten Weg abzukommen, geschuldet. Jedenfalls brauchen gute Dinge nun einfach ihre Zeit und deshalb möchte ich auch behaupten, dass das erste Guinness in Irland sowieso erst nach 3h Fußmarsch, einem regionalen Sandwich und unter freiem Himmel am innerstädtischen Kanalufer so richtig gut schmeckt. Dabei sollte man vielleicht erwähnen, dass der Alkoholkonsum in der Öffentlichkeit in Irland mit bis zu 635 Euro bestraft werden kann. Die Ausnahmen dieser Regel sind jedoch weitaus zahlreicher als die Leute, die sich überhaupt drum scheren…
Nun, soviel zum ersten Tag. Die Nacht wird – wie soll es anders sein, ich hab ja schließlich noch nicht geschlafen – morgen ausgewertet.
Hochachtungsvoll,
Karl P.


