Als ich gestern Abend nach Hause kam und mich zeitnah zur Ruhe bettete, schweiften meine Gedanken beim Blick auf den Nachthimmel über Mitteldeutschland, weg vom Traumland und dafür hin zu der wohl am häufigsten gestellten, aber bis heute dennoch unbeantworteten Frage der Menschheit. Was kommt danach? Also ganz am Ende. Wenn man von dem Tunnel mit dem Licht am Ende ausgeht, heißt die Frage also, was ist da, wo das Licht brennt? Eine 100 Watt Birne? Wenigstens eine Sparlampe?
Hält man am Tunnel fest, müsste die Existenz des Individuums aufteilbar sein. Also in das physische und das psychische Dasein. Der Legende nach endet unser Dasein auf Erden mit dem Tod unserer physischen Hülle, unseres Körpers. In diesem Moment müsste die psychische Komponente entweder ebenso aufhören zu existieren, oder extern weiter bestehen. Doch was sagt uns, dass dem so ist? Wer hat denn einen realen Beweis dafür, dass das psychische Ich, gern auch Geist oder Seele, in der Tat existiert? Wohl niemand.
Wir wissen, dass Menschen – speziell durch ihr Bewusstsein – individuell sind. Um nicht allzu theologisch zu werden, setzen wir also Bewusstsein mit den Begriffen Geist und Seele gleich. Das mag zwar ein großer Schritt sein, verkürzt die Darstellung aber ungemein und bleibt der Kernaussage dennoch nah.
Als Nächstes muss geklärt werden, was das Bewusstsein denn überhaupt ist. Rein wissenschaftlich betrachtet, unterscheidet den Menschen nichts nennenswertes, bis auf ein paar kleine Spitzfindigkeiten im Erbgut, von einer schnöden Packung Hackfleisch. Doch wer würde behaupten wollen, dass Hackfleisch eine Seele, einen Geist, ein Bewusstsein habe?
Wir wissen, dass Emotionen sich durch Hirnströme messen und sichtbar machen lassen. Also müssten diese Gefühlsregungen als essentielles Element unseres Bewusstseins ein Indiz für den „Wohnort“ des Bewusstseins sein. Das soll keinesfalls heißen, dass unser Bewusstsein im Hirn haust und an dessen Grenzen strikt gebunden ist. Schließlich erstrecken sich schon unsere Wahrnehmung und unser Interaktionsvermögen auf den gesamten Körper. Koordiniert und übermittelt werden diese Ein- und Ausflüsse mittels elektrischer Impulse von Hirn zu Zeh und umgekehrt.
Unterm Strich und natürlich vereinfacht betrachtet, ergibt das die Formel
Mensch = Biomasse + Strom
Dass die kleinen, neuen Menschen aber nicht mit 500 Gramm Hackfleisch und einer 9V Blockbatterie gemacht werden, dürften zumindest die aufgeklärten Leser im geschlechtsfähigen Alter erkannt haben. Wenn nicht, wünsch ich euch viel Glück bei der Schwangerschaftsverhütung. Ihr könnte es brauchen.
Zurück zum Thema. Das psychische Ich des Menschen müsste also zumindest seiner Art nach, eine Form von elektrischer Energie sein, welche die Ansammlung von Biomasse, das physische Ich, beherrscht und individualisiert.
Nach dem Exitus werden an unseren Körper keine elektrischen Ströme oder ähnliches mehr messbar sein. Wir werden zu der besagten Packung Hackfleisch. Mit dem einzigen Unterschied, je nach Einzelfall auch vom Anlass des Ablebens abhängig, dass man uns noch ansieht, wie wir zu Lebzeiten aussahen.
Außerdem wäre da noch der Energieerhaltungssatz. Unter anderem bekannt durch (aber dennoch nicht entdeckt von) Herrn Newton, besagt diese physikalische Grundregel, dass Energie sich nicht ändert, also weder entsteht noch vergeht, sondern ausschließlich umgewandelt wird. Stirbt der Mensch, wandelt er selbst keine Energie mehr um, im Gegenteil. Der Körper kühlt aus, gibt also seine restliche Energie in Form von Wärme an seine Umgebung ab. Dann war’s das. Fäulnis und Verwesung zählen nicht, weil beides von anderen Organismen gesteuert wird, die das dann als ihren Lebensunterhalt bezeichnen. Naja, wer’s mag…
Zusammen heißt das dann, dass unser Bewusstsein als Erscheinung elektrischer Energie weder aufhören kann zu existieren, noch im Körper verbleibt, verbraucht wird oder sonstiges. Es existiert weiter. Aber wohl außerhalb der biologischen Hülle.
Nun gut. Mit dieser Feststellung möchte ich vorerst schließen.
Ich würde mich freuen, wenn sich aus diesem Beitrag eine rege Diskussion unter den Lesern entwickelt. Was aus dem psychischen Ich nach dem Zieleinlauf passiert, und ob es wirklich das Ziel war, thematisieren wir dann beim nächsten Mal. Auf bald und eine aufschlussreiche Diskussion!
Hochachtungsvoll,
Karl Prall



Johannes
12 Mai 09 um 17:01
Nun lieber Karl, ich kann dazu wenig sagen… natürlich eine interessante these, aber ich komme mehr oder weniger gerade, von der Bestattung meiner lieben Großmutter.
Und meine auffassung vom Tod ist folgende:
Was kommt? Nichts!
Es ist vorbei… für mich wäre es einfach unvorstellbar wie wir unsere Zeit nach dem “auskühlen” überhaupt irgendwie warnehmen KÖNNTEN, denn die sinne die unsere “seele” bei der Warnehmung unterstützen sind auf keinen Fall mehr in der Lage zu existieren.
Hmmm
länger ausführen kann ich das grad nicht
Zurück zur bestattung:
Da fiel sehr oft der Satz, wenn jemand stirbt existiert er in unseren erinnerungen weiter… und ich glaube das ist auch das einzige was bleibt.
Und das macht mich nicht traurig,
im gegenteil
Trotzdem… schöner ansatz
chris
12 Mai 09 um 17:59
hmm ich hoffe ja das wir uns, wenn wir uns gut und artig benommen haben, es uns aussuchen können als was wir wieder geboren werden wollen.
zu mindestens habe ich dank dieser vorstellung keine angst vor dem dahinscheiden.
Karlchen
13 Mai 09 um 13:53
Zum Einen möchte ich dir, Johannes, sagen, dass ich von deiner Fassung beeindruckt bin. Trotz deiner Situation nimmst du das Thema erstaunlich neutral auf und bringst einen interessanten Ansatz bei.
Wenn unsere Sinnesorgane nicht mehr funktionieren, dürfte es tatsächlich schwer werden, die Existenz als solche wahr zu nehmen. Das müssten wir noch vertiefen und ein wenig drüber nachdenken.
Vielleicht müssen wir auch den Begriff Existenz selbst erst einmal abschließend klären. Existiert etwas, wenn es im Bewusstsein anderer “existiert” also in irgendeiner Form wahrnehmbar ist oder zumindest gewesen sein muss?
Zum Anderen möchte ich dir mein ehrliches Beileid zu deinem Verlust ausdrücken. Es ist schön zu lesen, dass du reichlich positive Erinnerungen an deine Oma hast und ihren Verlust recht gut zu verkraften scheinst.
Chris, dir muss ich sagen, ich bin erstaunt. Dass du den “circle of life” so betrachtest, hätte ich nicht erwartet.
Ich finde die Idee an sich auch nicht schlecht, hab aber ein paar Definitionsprobleme. Wer legt fest, was gut und artig oder schlecht und böse ist? Was passiert mit denen, die nicht gut und artig waren?
So, Jungs, das ist doch schon sehr gut angelaufen! Ich bedanke mich jetzt schon recht herzlich bei euch und freue mich auf den weiteren Verlauf.
Viele Grüße,
Karlchen
chris
13 Mai 09 um 17:03
gut und artig ist wer, meiner meinung nach, nicht gegen soziale normen handelt. wer also nicht raubt, mordet und vergewaltigt etc.
und wer nicht artig war der, so sehe ich das, muss für immer im großen wartesaal des jenseits darauf warten dran zu kommen und für das was er tat, rechenschaft abzulegen.
nicht das er danach sich aussuchen könnte aber so ne wartezeit geht ja auch an die nerven.
musicjunkie90
13 Mai 09 um 18:06
Naja wenn man womöglich die “Unendlichkeit” vor sich hatt ist so ne Wartezeit wo eher Verträglich ^^
Aber im allgemeinen möcht ich Johannes beipflichten,danach ist nichts mehr, nixhts was wir wahrnehemen können mit unserem Bewusstsein.
Allerdings werden wir Teil des großen Kreislaufs … sei es als Energie die umgewandelt wird oder ob wir nur verfaulen was ja aufs gleiche hinausläuft…
Was aussuchen mit Gut / Böse gibts meiner Meinung nach nich…oder sowas wie ein Jenseits…..
last day dream « kleinstadtgedanken
14 Mai 09 um 18:21
[...] 14, 2009 von chris wenn man kurz vor dem anfang vom ende steht, quasi am sterben ist, läuft dann vor unserem inneren auge, unser komplettes leben ab? oder [...]